Ubisoft-Aktien stürzen um 35 Prozent ab: Größter Einbruch seit Börsengang

Die Aktien des französischen Videospielunternehmens Ubisoft haben am Donnerstagmorgen einen beispiellosen Absturz erlebt. Im frühen Handel gingen die Anteilsscheine um 35 Prozent nach unten – der stärkste Kursverlust seit dem Börsengang des Unternehmens im Jahr 1996. Beobachter sprechen von einem Tag, der die ohnehin schwierige Lage des traditionsreichen Publishers noch einmal deutlich verschärft hat.

Hintergrund dieser Entwicklung ist eine umfassende Geschäftsreorganisation, die Ubisoft am gleichen Tag öffentlich gemacht hat. Der Konzern, bekannt für erfolgreiche Spielereihen wie Assassin’s Creed, hat angekündigt, mehrere seiner Studios zu schließen und insgesamt sechs laufende Projekte einzustellen. Mit diesen Schritten will das Unternehmen auf die zunehmend angespannte Marktsituation reagieren und sich langfristig besser aufstellen.

Sanierung mit harten Einschnitten

In einer offiziellen Stellungnahme rechnet Ubisoft für das laufende Geschäftsjahr, das 2026 endet, mit einem operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro. Besonders schwer ins Gewicht fallen dabei außerordentliche Abschreibungen in Höhe von 650 Millionen Euro, die im Zuge der Umstrukturierung notwendig werden. Diese Abschreibungen betreffen vor allem Vermögenswerte, die durch die Projektstreichungen und Studioschließungen ihren Wert verloren haben.

Ubisoft gibt an, dass die bevorstehenden Kostensenkungsmaßnahmen das Unternehmen mittelfristig um rund 500 Millionen Euro entlasten könnten. Ziel sei es, die Fixkosten bis März 2028 auf 1,25 Milliarden Euro zu senken. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2023 lagen die Fixkosten noch bei 1,75 Milliarden Euro. Laut offiziellen Angaben prüft Ubisoft außerdem, einige seiner Vermögenswerte zu verkaufen, um zusätzliche Liquidität zu schaffen.

Yves Guillemot, Gründer und CEO von Ubisoft, äußerte sich in einer Mitteilung zur Situation. Er betonte, dass die derzeitige Marktlage „radikale Veränderungen in der Unternehmensstruktur und im operativen Modell“ erforderlich mache. Die Überprüfung des Projektportfolios werde sich zwar kurzfristig, insbesondere in den Finanzjahren 2026 und 2027, negativ auf die Finanzergebnisse auswirken. Guillemot zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass diese Maßnahmen den Konzern langfristig stärken und zu nachhaltigem Wachstum sowie stabiler Barmittelgenerierung zurückführen werden (IXBT.games).

Herausforderungen und Perspektiven

Die aktuelle Krise kommt nicht unerwartet: Der Aktienkurs von Ubisoft ist in den letzten fünf Jahren bereits um 95 Prozent gefallen. Das Unternehmen hatte in dieser Zeit wiederholt mit verschobenen Spieleveröffentlichungen, überhitzten Budgets und sich verändernden Spielerwartungen zu kämpfen. Nun sieht sich Ubisoft gezwungen, sein Portfolio zu verkleinern und Kostenstrukturen grundlegend neu zu ordnen.

Für die Belegschaft und die Fans der Ubisoft-Spiele sind das einschneidende Nachrichten. Die Schließung mehrerer Studios und die Einstellung von sechs laufenden Projekten bedeuten das Aus für zahlreiche Arbeitsplätze und Ideen, die es nun nicht mehr auf den Markt schaffen werden. Gleichzeitig unterstreicht das Management, dass diese Schritte notwendig seien, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Ausblick: Unsichere Zeiten, aber Hoffnung auf Stabilität

Der dramatische Einbruch an der Börse markiert einen Wendepunkt für Ubisoft. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen greifen und das Unternehmen wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad führen können. Für die Aktionärinnen und Aktionäre, Mitarbeitenden und die internationale Gaming-Community beginnt eine Phase der Unsicherheit, in der viele Fragen offenbleiben.

Dennoch ist die Hoffnung da, dass der französische Publisher mit seiner Neuausrichtung einen Weg aus der Krise findet. Wie sich die Restrukturierung konkret auf kommende Spiele und das operative Geschäft auswirkt, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Bis dahin bleibt Ubisoft ein Symbol für die Herausforderungen, vor denen selbst die renommiertesten Akteure der Spielebranche stehen können.

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