Die kanadische Kleinstadt Tumbler Ridge in British Columbia ist nach einer tödlichen Schusswaffenattacke tief erschüttert. Am vergangenen Dienstag erschoss die 18-jährige Jesse Van Rootselaar zunächst ihre Mutter Jennifer Strang (auch Jennifer Jacobs genannt) und ihren elfjährigen Halbbruder Emmett Jacobs im gemeinsamen Zuhause. Im Anschluss drang sie in die örtliche Sekundarschule ein und tötete dort sechs weitere Menschen, darunter fünf Kinder und eine Pädagogin. Am Ende nahm Van Rootselaar sich selbst das Leben. Insgesamt verloren acht Menschen innerhalb weniger Stunden ihr Leben, 25 weitere wurden verletzt.
Die Tat hat nicht nur die Angehörigen, sondern das gesamte Gemeinwesen erschüttert. Viele Menschen in Tumbler Ridge kannten sich persönlich, die Kinder wuchsen miteinander auf, Familien sind vielfach miteinander verwoben.
Familien zwischen Trauer, Fassungslosigkeit und öffentlicher Aufmerksamkeit
Die Familien der Opfer stehen im Mittelpunkt einer öffentlichen Debatte, doch ihre Stimmen werden nicht immer gehört. Jean-Pierre Jacobs, der Stiefvater des elfjährigen Emmett und ehemalige Partner von Jennifer Jacobs, beschreibt seinen Schmerz als “unerträglich”. In einer Stellungnahme, die er am Samstag veröffentlichte, betonte er: “Ich habe meinen kleinen Jungen verloren, einen Mannes Stolz und Freude”. Weiter erklärte er, wie schwer es ihm falle, den Verlust zu verarbeiten: “Der Schmerz, den ich seit dieser Tragödie empfinde, ist unerträglich. Ich kann kaum erklären, wie verloren ich mich fühle”. Jacobs stellte außerdem klar, dass er nicht der Vater der Täterin Jesse Van Rootselaar ist, entgegen anderslautender Gerüchte, die im Internet kursieren (National Post).
Auch andere Familienmitglieder bringen ihre Trauer zum Ausdruck und wünschen sich, dass das Andenken an die Opfer im Mittelpunkt steht. Russell Strang Jr. und seine Frau Ashley Strang, Bruder und Schwägerin von Jennifer Strang, baten in einem öffentlichen Statement darum, die Geschichten der Getöteten nicht von der Beziehung zum Täter überlagern zu lassen. “Uns ist wichtig, dass ihre Namen in Erinnerung bleiben”, erklärten sie. “Sie wurden geliebt. Sie werden geliebt. Und sie verdienen es, für die schönen Leben, die sie führten, geehrt zu werden.” (The Globe and Mail).
Die Strangs schildern Emmett als einen fröhlichen Jungen, der Tiere liebte, besonders Hunde, und der gerne die Hände zusammenschlug und mit den Fingern wackelte, wenn er sich freute. Jennifer wird als starke und warmherzige Mutter beschrieben, die stets an das Wohl ihrer Kinder dachte, selbst wenn es ihr selbst schlecht ging.
Hintergründe und Reaktionen in der Gemeinde
Über die Motive von Jesse Van Rootselaar ist bislang wenig bekannt. Sowohl der Stiefvater als auch andere Verwandte äußerten, dass sie nicht ahnten, wie schwierig die Situation tatsächlich war. Jacobs sagte: “Jesse war ein schwieriges Kind, und ich habe mein Bestes getan, bevor wir uns trennten. Ich hatte keine Ahnung, dass es so schlimm geworden war.” Auch die Strangs gaben an, seit Jahren keinen Kontakt mehr zur Täterin gehabt zu haben und baten darum, keine voreiligen Schlüsse über die Familiensituation zu ziehen.
Die Tat hat in Tumbler Ridge eine Welle der Solidarität ausgelöst. Nachbarn, Freunde und Vereine organisieren gemeinsame Trauerveranstaltungen und legen Blumen an den Tatorten nieder. Die Strangs heben hervor, wie wichtig der Rückhalt in der Gemeinde für sie sei: “Wir wollen zusammenstehen – gemeinsam trauern, gemeinsam beten und jedes unschuldige Leben ehren.”
In den Medien wurde auch bekannt, dass Jesse Van Rootselaar in der Vergangenheit einen Schießsimulator in der Online-Plattform Roblox entwickelt hatte (404 Media). Ob und wie dies mit der aktuellen Tat im Zusammenhang steht, untersuchen die Behörden noch.
Ausblick: Fragen bleiben offen
Die Gemeinde verarbeitete den Schock in Gedenkveranstaltungen, doch es bleiben viele Fragen. Wie konnte es zu dieser Eskalation kommen? Was hätte verhindert werden können? Behörden arbeiten weiterhin an der Aufarbeitung der Ereignisse, während die Familien und Nachbarn versuchen, einen Weg durch die Trauer zu finden.
Für viele in Tumbler Ridge steht nun im Vordergrund, sich gegenseitig zu unterstützen, die Opfer zu ehren und dabei nicht die Geschichten hinter den Namen zu vergessen. Die kommenden Wochen werden für die Menschen vor Ort entscheidend sein, um Antworten zu finden – und gemeinsam zurück ins Leben zu finden.