Artemis II: NASA bereitet sich auf erste bemannte Mondmission seit 54 Jahren vor

Nach mehr als einem halben Jahrhundert steht die NASA erneut kurz davor, Menschen um den Mond zu schicken. Die Artemis-II-Mission, aktuell für frühestens den 8. Februar 2026 angesetzt, ist eine bedeutende Etappe nicht nur für die US-Raumfahrt, sondern auch für die internationale Zusammenarbeit im All. Mit dem jüngsten Start der sogenannten „Wet Dress Rehearsal“ – einer umfassenden Generalprobe am Kennedy Space Center in Florida – rückt der historische Flug in greifbare Nähe.

Die Generalprobe wurde zunächst durch ungewöhnlich niedrige Temperaturen verzögert. Ein Kälteeinbruch hatte die Betankung der riesigen SLS-Rakete (Space Launch System) verhindert, da die Außentemperaturen für die sichere Handhabung der flüssigen Treibstoffe über 41 Grad Fahrenheit liegen müssen. NASA-Teams überwachten die Systeme während der kalten Nächte und verschoben den Beginn der Betankung auf Montagmorgen. Die komplette Prozedur, die als „Wet Dress Rehearsal“ bekannt ist, simuliert den gesamten Countdown bis hin zu einer fiktiven Startzeit, einschließlich der Befüllung der Tanks mit mehr als 700.000 Gallonen flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff. Auch die Lade- und Vorbereitungsvorgänge am Orion-Raumschiff werden dabei durchgespielt. Sollte die Rakete nächste Woche nicht startbereit sein, hat die NASA bereits alternative Startfenster im März und April eingeplant (UPI).

Artemis II und der Wandel der US-Raumfahrt-Strategie

Anders als bei den Apollo-Missionen der 1960er- und 1970er-Jahre stehen heute nicht mehr nationale Prestigeprojekte im Vordergrund. Stattdessen setzt die NASA auf kontinuierliche Präsenz und internationale Partnerschaften. Artemis II ist der erste bemannte Flug zum Mond seit 1972 und umfasst vier Crewmitglieder, darunter erstmals auch einen kanadischen Astronauten. Die Mission wird um den Mond führen, ein direktes Landemanöver ist jedoch noch nicht geplant. Ziel ist es, die Lebenserhaltungs- und Navigationssysteme der Orion-Kapsel im All zu testen und so den Weg für die geplante Mondlandung von Artemis III zu ebnen, die frühestens 2028 stattfinden soll.

Im Unterschied zur Apollo-Ära, die stark vom Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion geprägt war, sieht sich die NASA heute mit einer multipolaren Situation konfrontiert. Besonders China ist mit einem ambitionierten, staatlich kontrollierten Mondprogramm ein entscheidender Wettbewerber. Während die chinesische Raumfahrtbehörde seit einigen Jahren erfolgreich robotische Missionen durchführt und bis 2030 eine eigene bemannte Landung plant, setzt die amerikanische Seite auf ein offenes Modell mit Einbindung internationaler und kommerzieller Partner. Das Artemis-Programm wurde so konzipiert, dass andere Länder und Firmen unter einem gemeinsamen Regelwerk für Erforschung, Ressourcennutzung und Oberflächenaktivitäten zusammenarbeiten können (PBS).

Historische Dimension und internationale Bedeutung

Seit der letzten Apollo-Mission sind mehr als fünf Jahrzehnte vergangen, in denen kein Mensch den erdnahen Orbit verlassen hat. Mit Artemis II soll sich das nun ändern. Neben den technischen Herausforderungen trägt die Mission auch eine politische und rechtliche Dimension: Die USA wollen mit ihrer offenen Strategie und den sogenannten Artemis Accords einen Rahmen schaffen, der das Verhalten auf dem Mond und im Weltraum allgemein festlegt und internationale Kooperationen fördert. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich vom eher abgeschotteten, zentral gesteuerten chinesischen Programm. Die Anwesenheit eines kanadischen Astronauten an Bord symbolisiert dabei die neue, multinationale Ausrichtung der Mission – auch wenn der Flug selbst „nur“ eine Umrundung des Monds vorsieht (The Conversation).

Ausblick: Mehr als ein technischer Testflug

Die Artemis-II-Mission ist weit mehr als eine technische Erprobung neuer Raumfahrtsysteme. Sie markiert einen Wendepunkt im Umgang der USA mit dem Weltraum und setzt ein Zeichen für nachhaltige, internationale Präsenz jenseits der Erde. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob die Vorbereitungen planmäßig verlaufen. Währenddessen bereiten sich sowohl die Crew als auch die internationalen Partner auf einen Flug vor, der nicht nur in die Raumfahrtgeschichte eingehen, sondern auch die Weichen für zukünftige Mond- und Marsmissionen stellen könnte.

Mit Artemis II demonstriert die NASA nicht nur technologischen Fortschritt, sondern auch eine neue Art von Führungsanspruch im All – offen, kollaborativ und auf langfristige Präsenz ausgelegt.

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