Asiatische Nadelameise erstmals in Deutschland: Forscher entdecken invasive Art in Stuttgart

Die Asiatische Nadelameise (Brachyponera chinensis) hat es erstmals nach Deutschland geschafft. Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Naturkundemuseen, der Universität Hohenheim und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung konnte im vergangenen Jahr eine Kolonie der ursprünglich aus Ostasien stammenden Ameise im Stuttgarter Rosensteinpark nachweisen. Die Entdeckung wurde nun in einer wissenschaftlichen Publikation bestätigt.

Besonders bemerkenswert: Den Forschenden gelang es, eine vollständige Kolonie inklusive geflügelter Königinnen zu identifizieren. Das deutet darauf hin, dass es sich nicht um einzelne, eingeschleppte Tiere handelt, sondern um eine Population, die in der Lage ist, den Winter zu überstehen und sich weiter auszubreiten. Schon im August 2024 hatte ein Biologiestudent den Fund auf der Plattform iNaturalist eingetragen. Für die Region Stuttgart war dies ein Novum – in Europa war die Asiatische Nadelameise zuvor lediglich in Italien, nämlich in Neapel und am Comer See, nachgewiesen worden (RiffReporter).

Gefahren für Mensch und Natur

Die Einschleppung der Asiatischen Nadelameise ist kein Zufall. Mit dem globalen Handel gelangen immer wieder gebietsfremde Arten nach Europa, meist als blinde Passagiere in Topfpflanzen, Erde oder anderen Importgütern. Die Europäische Union stufte die Art im vergangenen Jahr als besonders gefährlich ein und nahm sie in die sogenannte Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten auf. Das bedeutet, dass alle betroffenen Länder verpflichtet sind, Gegenmaßnahmen einzuleiten und das Vorkommen zu melden (FAZ).

Die Nadelameise bringt dabei gleich mehrere Risiken mit sich. Zum einen verdrängt sie heimische Ameisenarten und bedroht damit die lokale Biodiversität. Zum anderen kann ihr Stich für empfindliche Menschen gefährlich werden. Die Ameise gilt zwar nicht als aggressiv, doch sie sticht, wenn sie sich bedroht fühlt. Ihr Gift kann nicht nur starke Schmerzen verursachen, sondern bei Allergikern auch zu ernsthaften Reaktionen führen, einschließlich anaphylaktischen Schocks. Eine Studie aus den USA belegt, dass bei etwa jedem zwölften Stich größere Schwellungen auftreten, die Symptome können mehrere Tage andauern. In ihren Ursprungsregionen – Japan, Korea und China – ist die Gefahr bekannt, aber auch dort sind allergische Schocks nach Stichen dokumentiert.

Im Rosensteinpark in Stuttgart wurde die Ameise an sechs verschiedenen Stellen gefunden, auch im naturkundlichen Garten Wilhelma. Die Behörden haben mittlerweile ein Monitoring eingeleitet. Welche Maßnahmen zur Eindämmung schließlich eingesetzt werden, ist noch offen. In anderen Ländern kommen verschiedene Methoden wie Wasserdampf oder Pestizide zum Einsatz (RiffReporter).

Wie geht es weiter?

Mit dem Fund der Asiatischen Nadelameise in Deutschland steht das Land nun vor der Herausforderung, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen ein gezieltes, kontinuierliches Monitoring. Denn niemand kann derzeit genau sagen, wie weit die Art bereits verbreitet ist. In ihrer aktuellen Studie heben die Forscher hervor, wie wichtig ein frühzeitiges Biodiversitäts-Monitoring ist, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Langfristig ist der Klimawandel ein zusätzlicher Risikofaktor, der die Ansiedlung invasiver Ameisenarten in Europa begünstigen könnte. Schon seit Jahren warnen Fachleute davor, dass sich gebietsfremde Arten in städtischen Gebieten besonders gut etablieren können. Stuttgart steht damit nicht allein: Auch andere europäische Regionen könnten künftig betroffen sein.

Die Behörden stehen nach eigenen Angaben in der Pflicht, sowohl die Ausbreitung zu dokumentieren als auch Maßnahmen zur Bekämpfung zu entwickeln. Die kommenden Monate dürften zeigen, wie effektiv das Monitoring funktioniert und ob es gelingt, die Ausbreitung der Asiatischen Nadelameise zu verhindern.

Abschließend bleibt festzuhalten: Der Erstnachweis von Brachyponera chinensis in Deutschland ist ein Weckruf für Politik, Forschung und Gesellschaft, das Thema invasive Arten noch stärker in den Fokus zu rücken. Die nächsten Schritte werden entscheidend sein, um die Risiken für Natur und Menschen zu begrenzen. Weiterführende Informationen bietet auch die Stuttgarter Zeitung.

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